Zwei Tage sind inzwischen vergangen – und dennoch wirken die Eindrücke vom Christopher Street Day in Nürnberg bei mir weiter nach.
Vor 85 Jahren wurde gerade hier in Nürnberg Hass, Tod und Vernichtung gepredigt. Beim CSD habe ich an diesem Ort etwas ganz anderes erlebt: Freundschaft, Liebe, Toleranz und den entschlossenen Einsatz für Freiheit und Gleichberechtigung.
Deshalb möchte ich mein Grußwort vom 8. August hier noch einmal in gekürzter Form teilen. Denn die Botschaft des CSD ist zu wichtig, um nur an einem einzigen Tag im Jahr gehört zu werden.
Vor 85 Jahren wurden hier Hass und Vernichtung propagiert. Heute erleben wir an gleicher Stelle Freundschaft, Liebe und Toleranz.
Ich gratuliere zu dieser großartigen Veranstaltung und danke allen Organisatoren und Mitwirkenden für ihren Einsatz und ihren Idealismus – besonders Daniela Walcher, René Scheuermann und Andreas Hentschel. Mein Dank gilt ebenso der Nürnberger Polizei für die vorbildliche Sicherung des Zuges.
Ich bin 70 Jahre alt, war katholischer Religionslehrer und gehöre seit 44 Jahren dem Bayerischen Landtag an. Und mehr denn je sage ich: Ich stehe an Eurer Seite.
Wir alle sind erschüttert über den islamistischen Anschlag auf den CSD in Berlin. Eine Frau wurde getötet, 30 Menschen wurden verletzt. Ihnen gelten unsere Gedanken und unsere Wünsche für eine vollständige Genesung.
Diese Trauerbinde trage ich heute in besonderer Erinnerung an die Getötete – aber auch stellvertretend für die zigtausenden Opfer weltweit, die dafür bezahlen mussten und müssen, dass sie queer sind oder queere Menschen unterstützen.
Allein in den bayerischen Konzentrationslagern wurden nachweislich 214 Menschen ausschließlich wegen ihrer sexuellen Orientierung ermordet. Die Motive damals wie heute: extremistisches Denken und grenzenloser Hass.
Nie wieder sollen Menschen terrorisiert werden, weil sie queer sind. Nie wieder sollen Menschen sich verstecken müssen – aus Angst vor Ausgrenzung und Anfeindung.
Wehren wir uns gemeinsam gegen Vorurteile, Intoleranz und Hass. Lasst uns in Frieden und Freundschaft, in Freiheit und Gleichberechtigung sowie mit Toleranz und Anerkennung zusammenleben.
Die Botschaft des CSD gilt jeden Tag: Nie wieder still – für Freiheit, Vielfalt und Menschenwürde.
v. l. n. r. Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster, Anke König, Oberbürgermeister Marcus König, Co. Vorsitzende des CSD Nbg Daniela Walcher, Karl Freller, MdL
Foto: © Athina Tsimplostefanaki