Anlässlich des 81. Jahrestags der Befreiung der Konzentrationslager erinnerten der Bayerische Landtag und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten in einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung an die Opfer des Nationalsozialismus. Die Veranstaltung fand im Historischen Rathaussaal des Wolffschen Baus in Nürnberg statt. Nürnberg, das während der Zeit des Nationalsozialismus eine zentrale Rolle spielte, steht heute sinnbildlich für Erinnerung, Aufklärung und den Einsatz für Menschenrechte. In seiner Gedenkrede appellierte der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, aus der Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen wachsam gegenüber aktuellen Gefahren zu bleiben.
Er warnte vor wachsendem Antisemitismus und extremistischen Tendenzen und rief dazu auf, Demokratie sowie Menschenrechte aktiv zu verteidigen. Neben Karl Freller sprachen auch die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner, der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Marcus König, sowie der Filmproduzent Prof. Martin Moszkowicz. Moszkowicz berichtete als Sohn eines Opfers und Enkel eines Täters des NS-Regimes aus einer sehr persönlichen Perspektive.
In seiner Rede gedachte Freller aller Opfergruppen und begrüßte besonders die anwesenden Überlebenden sowie deren Nachfahren. Er erinnerte an Nürnberg in der Zeit des Nationalsozialismus und schilderte die Erfahrungen ungarischer Zwangsarbeiterinnen in den Nürnberger Außenlagern des Konzentrationslagers Flossenbürg. Mit Blick auf das aktuelle Zeitgeschehen äußerte Freller große Sorge über den zunehmenden Antisemitismus, verurteilte die politische Entwicklung im Iran und warnte vor „der Rückkehr des braunen Denkens in den Köpfen junger Politiker“. Sein eindringlicher Appell lautete: „81 Jahre nach Kriegsende stehen wir an einem Scheideweg. Die Welt ist unsicherer geworden, gespaltener. Die Versuchung ist groß, nach einfachen Antworten zu suchen, nach starken Führern – auch an der Wahlurne. Doch wir haben gelernt: Es gibt kein ‚einfach‘. Was zählt, ist die mühsame, tägliche Arbeit für Demokratie, Menschenrechte und Menschenwürde.“